Komposition und Bildaufbau beim Malen und Zeichnen – von Monika Kunze

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Komposition und Bildaufbau beim Malen und Zeichnen - von Monika KunzeHomepage der Künstlerin: http://www.hemikro.de
Blog: http://monikakunze.blogspot.com/


Komposition eines Stilllebens
Um ein Stillleben wirkungsvoll erscheinen zu lassen, benötigt man neben sorgfältig ausgewählter Sujets und richtiger Beleuchtung auch eine Komposition der zu darstellenden Gegenstände, die diese ins richtige Licht rückt, sowie das Auge im Bild gezielt umherwandern lässt. Optimal ist das Stillleben dann aufgebaut, wenn es eine ungerade Zahl an Objekten hat (ist aber kein Muss, man kann auch mit gerader Zahl super Kompositionen aufstellen), sowie einen Blickfang im goldenen Schnitt hat, wobei die umher liegenden Objekte sich daran überlappend anfügen und den Blick wandern lassen, bis er an einem bestimmten Punkt stoppt und ruht (Highlight des Bildes).
Das Objekt, das im goldenen Schnitt liegt, sollte höher sein, als die anderen Objekte. Die anderen Objekte sollten einen bestimmten Verlauf haben, der den Blick führt. Dieser kann sternförmig sein, oder eine seitliche Linie bilden, oder einen Bogen.


Ein Beispiel für einen linienförmigen Aufbau.
Der Blick beginnt zwischen dem höchsten Objekt des Stilllebens und der kleinen Pflaume rechts, wandert über den Apfel bis zur Birne, über die Bananen hinweg, wieder zurück zum Apfel. Folglich sollte man Vase und Apfel als Blickfang des Bildes gestalten; sprich: in den intensivsten Farben, mit der effektvollsten/ oder hellsten Beleuchtung, oder in Farben, die sich vom den der restlichen Objekte stark abheben.

Komposition und Bildaufbau beim Malen und Zeichnen - von Monika Kunze

Hier ein Beispiel für einen sternförmigen Aufbau. Bei diesem Aufbau baut man szs. eine Mitte (höchstes Objekt im goldenen Schnitt), sowie mehrere „Arme“ auf, denen der Blick folgen kann. Ich habe hier zwei Arme gezeichnet.

Komposition und Bildaufbau beim Malen und Zeichnen - von Monika Kunze


Dies ist ein Beispiel für einen runden Aufbau. Die Objekte fügen sich nah aneinander und bilden eine, mehr oder weniger, runde Gruppe.

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Es ist wichtig zu beachten, dass die hinten liegenden Objekte etwas gedämpfter dargestellt werden. Sie können durchaus ein kleines Highlight haben, z.B. in Form eines kleinen Schlaglichterchens. Jedoch sollten sie dem/n Hauptobjekt/en des Bildes (im goldenen Schnitt) nicht die Show stehlen.


Was kann man alles falsch machen? Warum wirken manche Stillleben nicht?
Das kann unterschiedliche Gründe haben. Ein wesentlicher Fehler bei Stillleben kann darin liegen, dass die Objekte keinen Bezug zueinander haben. Es kann auch passieren, dass eine Gruppe im Stillleben toll aufgebaut wurde, jedoch etwas noch zusätzlich abseits platziert wurde, was jeglichen Bezug zu der Gruppe verliert. Das Auge hat keinen Weg mehr, dem es folgen kann. Folglich bleibt es irgendwo stehen, ohne auf einem Highlight zur Ruhe zu kommen. Ebenso kann es passieren, dass der Endpunkt komplett fehlt. Z.B. durch das Fehlen von Highlights, was dazu führt, dass alle Objekte die gleichen Tonwerte haben und langweilig aussehen. Das Auge kreist durch´s Bild und findet keinen Endpunkt, an dem es ruhen kann.

Hier ein Beispielbild eines nicht ganz optimalen Aufbaus. Die Objekte liegen zwar überlappend voreinander, aber das Bild wirkt etwas fad, weil die Objekte ungefähr alle auf gleicher Höhe liegen. Es gibt kein Highlight in diesem Stillleben.

Komposition und Bildaufbau beim Malen und Zeichnen - von Monika Kunze

Ebenso wirkt ein Stillleben um so reizvoller, wenn der Aufbau wie „zufällig“ erscheint. Packt man z.B. sein gerade auf dem Markt eingekauftes Gemüse auf den Tisch, ergibt sich eine zufällige Komposition von Gegenständen, die ein Stillleben ergeben. Optimal ist es, wenn die Anordnung auf diese Weise „zufällig“ aussieht. Eine Anordnung wie auf dem unteren Bild wäre daher doch eher etwas unwahrscheinlich Komposition und Bildaufbau beim Malen und Zeichnen - von Monika Kunze

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Natürlich gibt es auch solche Stillleben, die die Objekte witzig und pfiffig darstellen. Das muss jedoch gekonnt gemacht und überlegt werden.

Was stimmt hier nicht?
Die Objekte haben keinen Bezug zueinander und sie „küssen“ sich. Sie berühren sich bloß an ihren Kanten, jedes steht für sich da und bildet einen Blickpunkt. Das Bild hat keine Ruhe und kein Highlight.

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Schlimmer geht´s nimmer.
Die Feige liegt zwar gut vor der Birne, aber die kleine Gruppe für sich liegt zu weit von der größeren Gruppe entfernt. Diese wiederum hat kein Highlight, die Bananen führen den Blick aus dem Bild. Ein No-Go.

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Schon besser, aber trotzdem stimmt noch etwas nicht. Sämtliche Stiele der Früchte zeigen nach oben rechts und führen den Blick fast aus dem Bild. Der Blick haftet letztendlich auf den zwei Stielen der Birnen, statt auf der Schale mit der rosigen Birne.

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Durch das einfache Drehen der Birne und somit der Richtung ihres Stiels, verändert man die Führung des Auges. Der Blick wandert von der hinteren Birne über die vordere in ihrer Schale, über die Bananen hinweg zu der Feige, bis er wieder bei der Birne in der Schale ankommt. Eine runde Sache.

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Ein paar Beispiele mit Geschirr:

Das Stillleben hat einen guten Blickfang im goldenen Schnitt, aber die Birne ist zu weit ab vom Geschehen. Sie verliert den Bezug zu der Gruppe, außerdem ist die warme Farbe, das Rot-Gelb der Birne, zu weit entfernt vom Rot des Marmeladendeckels. Das Auge springt hin und her zwischen den roten Gegenständen, wobei es die anderen Objekte, welche in kalten und unscheinbaren Farben dargestellt sind, außer Acht lässt. Ausserdem ist der Stiel der Birne zu nah am Bildrand und führt den Blick aus dem Bild.

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Etwas besser, aber es fehlt ein Gleichgewicht. Das Marmeladenglas ist zu weit nach rechts geschoben. Um ein Gleichgewicht zu schaffen, müsste es um ca. 1/3 seiner Breite nach links verschoben werden. Trotzdem sollte man sich fragen, was die Birne in ihrer Position zu sagen hat. Nicht viel, würde ich sagen…

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Furchtbar. Es fehlt den Dingen jeglicher Bezug zueinander. Während das Marmeladenglas wie abgestellt und nicht abgeholt dasteht, könnte man die Birne auch gleich weglassen, da sie im Schatten der Kanne und hinter dem Tellerchen jegliche Farbe und Wirkung verloren hat.

Komposition und Bildaufbau beim Malen und Zeichnen - von Monika Kunze

Hier ein besserer Aufbau, der dem Stillleben eine Einheit verleiht. Der Blick wandert vom Marmeladenglas, über die Kanne hinweg, bis hin zur Birne, über das Besteck auf dem Tellerchen, wieder zurück zum Blickfang des Bildes; der Kanne.

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Die Kanne sollte hier natürlich am effektvollsten dargestellt werden. Auf der Fotografie kann sie fahl aussehen, wenn man sie jedoch malt, kann man sie mit herrlichen Lichtern darstellen, sowie mit farbigen Spiegelungen der anderen Sujets, so dass sie den Wow-Effekt des Bildes ausmacht.

Hier noch zwei weitere Beispiele:
Der Blick beginnt bei dem hellen Licht im oberen Bereich der Ölflasche, geht runter zu der Lichtspiegelung im Öl, im unteren Bereich der Flasche, wandert weiter über Zwiebeln und Knoblauch, das Grün der Lauchzwiebeln entlang bis zu ihren „Bärtchen“, und wieder zurück über die Zwiebeln zur Flasche hin.

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Der Blick fällt zunächst auf den Verschluß des Parfumflakons, wandert weiter über den glänzenden Deckel der Cremedose, über den seitlich liegenden Lippenstift hinweg, die Hülse entlang flücht wieder zurück, bis er beim Blickpunkt stehen bleibt; dem hochkant stehenden Lippenstift mit seinen Lichtspielen auf dem goldfarbenen Verschluß.

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Es lässt sich aus so ziemlich allem ein Stillleben aufbauen. Wenn man jedoch Objekte malt, die man gern hat oder schön findet, spiegelt sich das auch im Betrachter wieder.
Ich fasse noch mal zusammen:
Ein effektvolles Stillleben entsteht durch

-Beleuchtung die Lichter und Schatten erzeugt und das Hauptobjekt des Aufbaus hervorstechen lässt.

-eine möglichst ungerade Anzahl an Objekten (ist kein Muss)

-ein Hauptobjekt/Highlight des Bildes im goldenen Schnitt

-sich überlappende Objekte

-einen versteckten Weg für das Auge, der es bewusst und mit Ziel (Hauptobjekt) durch´s Bild führt

Monika Kunze

Homepage der Künstlerin: http://www.hemikro.de
Blog: http://monikakunze.blogspot.com/

Komposition und Bildaufbau beim Malen und Zeichnen - von Monika KunzeMonika Kunze über sich selbst:

Geboren 1976, lebe und male ich in der Nähe von Bielefeld.Nach einer intensiven Beschäftigung mit dem Thema Kunst in meinen Jugendjahren, habe ich, nach einer längeren Pause,2005 wieder damit begonnen mich mit der Malerei zu beschäftigen.Wie fast alle Hobbymaler, zunächst völlig kopflos und darauf auszielend, einfach nur etwas Hübsches zu malen, begann mich das Thema immer mehr zu interessieren, so dass ich damit begann, autodidaktisch die Grundlagen der Malerei zu begreifen und zuerlernen. Seit 2009 beschäftige ich mich intensiv mit der Ölmalerei, vor allem jener, die sich der Untermalungen bedient, so z.B. der Grisailles. Mein Ziel ist es, naturgetreue Bilder zu malen, die die Anmut der Wirklichkeit wiedergeben.

Monika Kunze

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